Munchkin-Katze

Munchkin-Katze

Sie ist auf kurzen Beinen durch die Welt unterwegs, doch macht die Munchkin-Katze dieses „Defizit“ in vielen Lagen durch ihren Einfallsreichtum wett. In Deutschland kann sich diese einzigartige und außergewöhnliche Katzenrasse jedoch nur schwer durchsetzen. Allgemein kommt sie in Europa sehr selten vor.

Die Munchkin-Katze – Steckbrief

  • Ursprungsland: USA
  • Felllänge: kurz bis halblang
  • Fellfarben: häufig Schwarz, Weiß, Grau, Rot
  • Augenfarbe: alle
  • Größe: mittelgroß, kurzbeinig
  • Gewicht: zwei bis vier Kilo
  • Bewegungsdrang: mittel bis hoch
  • Pflegeaufwand: mittel

Die Herkunft und Geschichte der Munchkin-Katze

Diese Rasse ist aufgrund einer Genmutation entstanden – Grund ist der disproportionierter Zwergenwuchs (Chondrodysplasie) – eine Erbkrankheit, die Kurzbeinigkeit verursacht. Entdeckt wurde diese zunächst als Dackelkatze bezeichnete Rasse erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts. Jedoch verhinderte der Krieg eine Einordnung und Zucht.

Erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde diese kurzbeinige Rasse wiederentdeckt: in Louisiana in den USA. Sandra Hochenendel fand zwei trächtige Katzen mit kurzen Beinen, denen sie die Namen Blackberry und Blueberry gab. Ihre Jungen hatten teilweise ebenfalls verkürzte Beine. Blackberry gilt heute als Stammmutter der Munchkins.

In Europa konnte sich die Rasse bisher nicht wirklich durchsetzen, obwohl englische Katzenliebhaber sie bereits auf den Kontinent gebracht haben. Denn Kritiker prangern die Züchtung einer Erbkrankheit an. Dennoch wurde die Rasse im Jahr 1995 von der TICA (The International Cat Association) sowie später durch die WCF (World Cat Federation) anerkannt. Andere internationale Organisationen verweigern jedoch den Rassestatus.

Laut der Präsidentin der internationalen Munchkin-Katzen-Gesellschaft Laurie Bobskill existieren aktuell 19 weitere Munchkin-Linien, die nicht von Blackberry abstammen. Der Name stammt von den kleinen Leuten aus der Geschichte „Der Zauberer von Oz“.

So sieht die Munchkin-Katze aus

Munchkins sind sofort an ihren extrem kurzen Beinen zu erkennen, was den Vergleich zum Dackel beim Hund immer wieder hervorruft. Daher werden sie auch Dackelkatzen genannt. Unter- und Oberschenkel sind meist gleichlang an den Vorderläufen, die Hinterläufe sind insgesamt etwas länger. Die Pfoten sind rund und kompakt, sie zeigen nach außen.

Die Beine sind zwar kurz, aber dennoch kräftig und muskulös, wie auch der gesamte Körper der mittelgroßen Katzen. Ihre Statur ist weder schlank noch gedrungen. Ihre Schulterhöhe erreicht 20 Zentimeter, der Körper kann 70 Zentimeter und länger sein. Munchkins können bis zu vier Kilogramm Gewicht erreichen.

Der Kopf ist keilförmig, die Augen mandelförmig. Sie stehen weit auseinander und ihre Farbe ist nicht festgelegt – es können alle Farbtöne vorkommen. Auffällig ist ihre leicht schräge Anordnung. Die Ohren sind ebenfalls im Verhältnis sehr groß und stehen aufrecht. Der Schwanz dieser Rasse ist meist mittellang und wird zur runden Schwanzspitze immer dünner.

Das Fell der Munchkin-Katze ist dicht und anliegend. Hier gibt es zwei Varianten: kurzes, plüschiges Fell (Kurzhaar) oder dichtes, halblanges Fell (Halblanghaar). In beiden Fällen ist es jedoch seidig. Die Munchkin-Katze verfügt über ein Unterhaar. Es gibt alle Fellfärbungen und Zeichnungen.

Mittlerweile gibt es auch verschiedene Untertypen der Munchkins. Eine zwergwüchsige Variante ist die „Mei Toi“. Auch extrem kurzbeinige Tiere („superkurze Munchkins“) sind bereits bekannt. Zudem wurden Kreuzungen mit fremden Rassen bereits gezüchtet. So entstand die kurzbeinige „Skookum“ durch die Paarung mit der Rasse „La Perm“.

Das ist der Charakter der Munchkin-Katze

So einzigartig die Munchkin-Katze aussieht, so ist auch ihr Wesen. Einerseits ist sie besonders gesellig und anschmiegsam. Sie liebt es, viel Zeit mit ihren menschlichen Mitbewohnern zu verbringen, lange Schmuseeinheiten inklusive. Einmal eine Bezugsperson ausgewählt, vergöttern Munchkins sie regelrecht. Munchkins gelten als besonders treu und lassen sich auch gern mal tragen.

Daher sollte diese Rasse nicht in Haushalte kommen, in denen sie stundenlang sich selbst überlassen ist. Ältere Personen mit viel Zeit sind optimale Halter für Munchkins. Aber auch Familien sind als zuhause für die Munchkin-Katze sehr gut geeignet: Die Tiere verstehen sich gut mit Kindern, anderen Haustieren und interessieren sich sehr für das Familienleben.

Aufgrund der kurzen Beine können sie jedoch längst nicht so klettern und springen, wie andere Artgenossen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Munchkin-Katze ein ruhiges Wesen besitzt. Im Gegenteil: Sie ist sehr agil, verspielt und lebhaft. Munchkins lieben es zu spielen und zu rennen. In manchen Expertenkreisen wird behauptet, dass sie sich schneller im Kreis drehen können als andere Katzen. Auch seien sie fähig, rückwärts zu laufen. Ihre Bewegungen wirken lediglich nicht so elegant wie die ihrer Verwandten.

Höhere Ziele in der Wohnung erklimmen sie trotz ihrer kurzen Beine – mit Intelligenz und Einfallsreichtum. Schließlich will das neugierige Wesen wissen, was auf Schränken und Co zu finden ist. Ihre Intelligenz kann sich auch in ihrer Sammelleidenschaft zeigen. Eine Munchkin-Katze hortet auch gern mal kleine Gegenstände. Droht Gefahr, verhalten sich Munchkins wie Kaninchen: Sie stellen sich auf die Hinterbeine. In ruhigen Situationen gilt die Rasse auch als sehr gesprächig.

So sollte die Munchkin-Katze gehalten werden

Auch die Pflege dieser Rasse ist – der genetischen Besonderheit geschuldet – etwas intensiver. Sowohl Langhaar-, als auch Kurzhaartiere sollten regelmäßig gebürstet werden. Die körperlichen Umstände schränken die Munchkin-Katze in ihrer Beweglichkeit ein, sodass sie sich selbst nicht so gut putzen kann. Hier braucht das Tier menschliche Unterstützung – einmal in der Woche ist Kämmzeit. Eine gesonderte Zahn- und Krallenpflege ist nicht unbedingt notwendig. Ohren und Augen müssen nur bei Bedarf gereinigt werden.

Da Munchkins sehr verspielt sind, sollte viel Spielzeug vorhanden sein. Trotz der kurzen Beine sollten Halter nicht auf Kratz- sowie Kletterbäume und Katzentreppen (gerne auch mit niedrigeren Stufen und Höhen) in der Wohnungseinrichtung verzichten. Kleine Versteckmöglichkeiten für die gesammelten Gegenstände weiß die Munchkin-Katze ebenso zu schätzen.

Die Rasse eignet sich vor allem als Wohnungstier. Durch die Bewegungseinschränkung können Munchkins sich im Freien nicht so gut zurechtfinden, wie es ihre Artgenossen tun. Freigänger unter Munchkins sind daher selten. Ein gesicherter Freigang beispielsweise im Garten ist dennoch nicht ausgeschlossen. Hier sollten sich jedoch keine unüberwindbaren Hindernisse für das Tier befinden.

Ebenso ist die genetische Veranlagung Grund dafür, dass Haltern von Munchkins zu einer Katzen-OP-Versicherung oder Katzenkrankenversicherung geraten wird. Rückenprobleme sind nicht auszuschließen. Aufgrund des jungen Alters der Rasse gibt es noch keine Langzeitbeobachtungen. Daher sollten Halter von Munchkins sich auf regelmäßige Tierarztuntersuchungen vorbereiten – der Vorbeugung wegen.

Die Gesundheit der Munchkin-Katze

Aufgrund der kurzen Geschichte der Rasse gibt es keine langfristigen Erkenntnisse über Auswirkungen und Folgen der Kurzbeinigkeit. Kritiker zählen die Munchkin-Katze zu den Qualzuchten – wie der Schweizer Tierschutz beispielsweise.

Dauerhafte und automatisch folgende Rückenschäden sind derzeit nicht nachgewiesen. Auch die TICA bescheinigt der Rasse keine Wirbelsäulenprobleme. Wissenschaftliche Studien sagen sogar, dass sie eine durchaus gesunde, glückliche Katzenart sei. Ihre Lebenserwartung wird bis zu 16 Jahren eingestuft.

Die Chondrodysplasie birgt anderen Experten zufolge dennoch ein höheres Risiko in sich, dass die Tiere an frühzeitigen Fehlbildungen der Zwischenwirbelscheiben erkranken können. Ein Bandscheibenvorfall kann die Folge sein.

Auch die Wahrscheinlichkeit von Arthrose sehen sie bei dieser Rasse erhöht, ebenso wie die Neigung zur Lordose, die Krümmung der Wirbelsäule. Diese Schwächung des Rückenmuskels kann sich auch auf Herz und Atmungsorgane auswirken und unter Umständen auch zum Tod führen. Das Risiko, an einer angeborenen Trichterbrust (pectus excavatum) zu erkranken, ist ebenfalls nicht zu unterschätzen, auch wenn hier noch keine wissenschaftlichen Nachweise vorliegen.

X- und O-Beine sind bei Munchkins ebenso nicht ausgeschlossen. Ihre Sprunggelenke können nach innen gedreht sein. Andere körperlichen Fehlstellungen wurde bisher nicht beobachtet.

Der Geneffekt schränkt zudem die Zucht ein. Zwei reinerbige Munchkins können nicht miteinander gepaart werden, ihre Nachkommen wären aufgrund der vererbten Krankheit nicht lebensfähig.

Zusammenfassung

Die Rasse der Munchkins ist umstritten in Züchterkreisen, denn der erbliche Effekt der kurzen Beine wird je nach Betrachtungsweise auch als Qualzucht bezeichnet. Dennoch ist dieser Katzenrasse eins nicht zu nehmen: ihre Einzigartigkeit. Nicht nur der Körperbau, sondern auch ihr treues, anschmiegsames und verspieltes Wesen sticht heraus. Munchkins eignen sich vor allem für Katzenliebhaber mit viel Zeit. Jedoch fehlen aktuell Langzeitstudien, ob die vererbliche Chondrodysplasie weitere gesundheitliche Folgen hat.

Artikelbild: © ots-photo / Bigstock.com

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