Katzen-Übersetzer

Katzen-Übersetzer

Katzenspielzeug mit Baldrian und Minze ist nichts Neues, doch dass es nun auch Katzenspielzeug für den Dosenöffner gibt, mag überraschen. Die Katze, das unbekannte Wesen, soll dem miau-unfähigen Katzenbesitzer dank der kostenlosen App „Mensch-Katze-Übersetzer“ ab sofort zum Gesprächspartner werden. Doch funktioniert die App wirklich?

„Kätzisch“ sprechen mithilfe des Smartphones

Nicht immer ist es leicht, die Katze zur angestammten Fütterungszeit zum Napf zu rufen. Fliegt am Fenster gerade ein Vogel vorbei oder hat sich eine Fliege durch das geöffnete Fenster in den Wohnraum verirrt, ist der Stubentiger anderweitig beschäftigt. Da nützt rufen, rascheln und mit der Gabel scharren wenig. Praktisch wäre es, in solchen Momenten auf die Katzensprache zurückgreifen zu können. Die gratis App „Mensch-Katze-Übersetzer“ verspricht genau das. Das Gadget für das Handy enthält:

  • drei Standard-Katzenstimmen (erweiterbar auf sechs)
  • acht Katzenrufe und interessante Geräusche (erweiterbar auf sechzehn)
  • Beispielaufnahmen von 25 Katzen
  • software-gestützte Sprachübersetzung ins „Kätzische“

Die iOS-basierte App ist kompatibel mit folgenden Apple-Geräten:

  • iPhone-3GS
  • iPhone4
  • iPodTouchFourthGen
  • iPad2Wifi
  • iPad23G
  • iPhone4S
  • iPadThirdGen
  • iPadThirdGen4G
  • iPhone5
  • iPodTouchFifthGen
  • iPadFourthGen
  • iPadFourthGen4G
  • iPadMini
  • iPadMini4G
  • iPhone5c
  • iPhone5s
  • iPhone6
  • iPhone6Plus
  • iPodTouchSixthGen

Die Übersetzungs-App des Herstellers Electric French Fries steht gratis zum Download im AppStore bereit. Doch funktioniert der smarte Übersetzer wirklich?

Aufbau der Übersetzungs-App

Die Handy-App, die menschliche Äußerungen ins „Kätzische“ übertragen soll, ist im niedlichen Plüschlook gehalten. Das pelzige Tasteneingabefeld auf dem Display verfügt über drei Schaltflächen im oberen Bereich. Zwei davon dienen zum Auswählen von eingespeicherten Katzenstimmen. In der Mitte befindet sich ein Aufnahmeknopf. Im unteren Bereich stehen acht Laute zum Auswählen bereit. In der erweiterten Version stehen zwölf Katzenlaute, ein Schnurrgeräusch, sowie einmal Mäusepiepsen und einmal Vogelgezwitscher zur Auswahl. Besonders interessant sind aber nicht die eingespeicherten Geräusche, Laute und Katzenstimmen, sondern die Aufnahmefunktion.

Per Knopfdruck wird ein aufgenommener Satz in Miauen, Maunzen oder Schnurren übersetzt. Jedoch scheint die Übersetzungs-App mehr als Party-Gag angelegt zu sein denn als ernstzunehmende App. Eine erster Hinweis darauf ist die Warnmeldung nach dem Start der App. Auf dem Display erscheint der Hinweis, die App nicht weiter für die Vierbeiner zu nutzen, sollten sie verstört oder aggressiv reagieren.

Spielspaß vor Funktionalität

Tatsächlich ist aber genau das in der Regel die Reaktion der Katzen, die dem miauenden, maunzenden, schnurrenden Smartphone ausgesetzt werden. Neugierige Katzen reagieren vielleicht noch zu Beginn mit Interesse, wenn „Möchtest Du ein Leckerli“ in das Telefon gesprochen wird und ein deutliches Miauen ausgegeben wird. Scheue Tiere nehmen jedoch an dieser Stelle bereits Reißaus. Spätestens wenn Kampfgeräusche von fauchenden Katzen dem heimischen Stubentiger vorgespielt werden, verschwindet die eigene Katze mit eingezogenem Schwanz unter dem Sofa oder faucht aggressiv das gemeine Handy an, in dem eine kampfeslustige Katze zu stecken scheint.

Die Katze kann auf die vorgespielten Geräusche und Katzenlaute mit Scheu, Aggression oder Angst reagieren.

Ein Hinweis der Hersteller, es würde sich bei der App um einen Gag handeln, ist zwar vorhanden, jedoch wird der App-Titel viele Katzenfans in die Irre führen. Treffender wäre ein Name wie „Katzengeräusche“ oder „Miau-App“ gewesen. Mustergültige Übersetzungen gibt das Gerät jedenfalls mithilfe der App nicht aus. Vielmehr kann die heruntergeladene Handyfunktion als Party-Gag für Zweibeiner verwendet werden. Einen Satz aufnehmen, der anschließend als Miauen oder Schnurren ausgegeben wird, wirkt vor allem in geselliger Runde lustig. Doch warum ist die App trotz echter Katzenlaute für die heimischen Vierbeiner so uninteressant bis verstörend?

App widerspricht dem natürlichen Katzenverhalten

Katzen kommunizieren untereinander in erster Linie nonverbal. Statt sich mit Lauten bemerkbar zu machen, geben sie Duftstoffe ab. Katzen nutzen verschiedene Arten von Pheromonen, um sich ihrer Umgebung lautlos mitzuteilen. Die Duftstoffe dienen der Reviermarkierung, zur Beruhigung oder als Alarmsignal. Unkastrierte Katzen „sprühen“ in ihrem Revier ihre ganz persönliche Duftnote aus. Sowohl Katzen als auch Kater verteilen ihren Urin an wichtigen Kreuzungen und Grenzen im Revier, um ihr Territorium vor Gegnern abzustecken und potentiellen Sexualpartnern ihre Bereitschaft zu signalisieren. Ähnliche Funktionen erfüllt der Kot. Um eine besonders deutliche Botschaft auszusenden, wird der Kot manchmal nicht verscharrt.

Darüber hinaus besitzen Katzen Duftdrüsen an den Wangen, am Kinn, an den Ballen, Flanken, zwischen den Zehen und an der Schwanzoberseite. Durch Reiben an Gegenständen sowie durch Kratzen können sie ihr Revier ebenfalls markieren. Gleichzeitig nutzten Katzen das Reiben aneinander als Begrüßungsritual. Mit „ihrem“ Menschen vollziehen sie dieses Ritual ebenfalls, wenn sie beim Streicheln ihren Kopf gegen die Hand drücken und reiben. Darüber hinaus haben Katzen weitere Möglichkeiten zur Kommunikation mit dem Menschen entwickelt. Jeder Katzenbesitzer kennt das typische Schleichen zwischen den Beinen, wenn die Katze um Futter bittet. Wird der Aufforderung nicht sofort nachgegangen, kann dem Wunsch durch Miauen Nachdruck verleihen werden.

Kein Miauen gleicht exakt dem anderen. Jede Katze besitzt ihren ganz persönlichen Ruf, um den Dosenöffner um die „Pfoten zu wickeln“.

Erwachsene Katzen kommunizieren untereinander jedoch kaum durch Laute. Lediglich in der direkten Konfrontation kann es zu Kampfgeräuschen kommen. Die Katze faucht, spuckt oder bringt ein lautes Warnsignal hervor. Das typische Miauen bleibt dem Menschen vorbehalten und wird von Kitten genutzt, damit die Mutter sie finden kann. Ebenfalls oft missverstanden wird das Schnurren von Katzen. Meistens ist es ein Ausdruck von Wohlgefallen, unter Umständen kann es jedoch auch Schmerzen signalisieren. Studien zeigen, dass das Schnurren den Heilungsprozess, etwa von Knochenbrüchen, beschleunigen kann.

Ausgewachsene Katzen kommunizieren untereinander weitestgehend lautlos über Duftstoffe. Daher ist ein lautorientierter Übersetzer für Katzen ungeeignet.

Die lautstarke App verängstigt und verstört daher den heimischen Stubentiger, da die Katze mit lautstarken Katzen Stresssituationen, Machtkämpfe oder kranke Tiere verbindet. Hört sie das Miauen von Kitten, ist sie instinktiv dazu aufgerufen, sie zu suchen. Da nur ein technisches Gerät die Geräusche macht und nirgends eine Katze zu finden ist, kann das Vorspielen von Katzenlauten verstörend auf die Mieze wirken.

Wer seine Katze rufen können möchte, kann es einmal mit Clicker-Training ausprobieren.

Zusammenfassung

Die Übersetzungs-App bietet eine Auswahl an eingespeicherten Katzenlauten und Geräuschen, ist jedoch vor allem aufgrund der Sprachaufnahmefunktion mit integrierter Umwandlung in Katzenlaute interessant für den Menschen. Katzen können allerdings durch die vom Gerät produzierten Geräusche irritiert und verängstigt werden. Die kostenlose App „Mensch-Katze-Übersetzer“ ist ein witziger Party-Spaß, jedoch zur artgerechten Interaktion mit der Katze nicht geeignet.

Artikelbild: © dolgachov / Bigstock.com

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